Zeittafel zur Bergbau- und Ortsgeschichte von Zinnwald

(1734 - 1909)

1734 Einweihung der katholischen Kirche in Böhmisch-Zinnwald.
1741/ 42 Mehrfache Truppendurchzüge im österreichischen Erbfolgekrieg.
um 1750 Beginnender Abbau großer Erzstöcke (Greisenkörper), dabei Entstehen der Reichtroster und Schwarzwänder Weitung, Ausbringung von 2.100 Zentnern Zinn allein bei der Fundgrube „Reicher Trost“ in den Jahren 1777-1794.
1752 Vergleich der Grundherren von Bünau mit den böhmischen Fürsten Lobkowitz und Clary zum Verzicht auf das Stollenneuntel und zum gemeinsamen Betrieb der beiden Bünau-Stollen.
1758 Die Einflüsse des Siebenjährigen Krieges erreichen den Erzgebirgskamm, einige Gruben müssen den Betrieb einstellen.
1766 Gründung einer eigenen Knappschaft für Böhmisch-Zinnwald.
1771/ 72 Große Hungersnot im Erzgebirge durch Missernte; etliche Familien wandern auch aus Zinnwald aus.
um 1780 Anlage des Langen (oder Kirchen-) Teiches in Böhmisch-Zinnwald als Speicherbecken zur Versorgung der Pochwäschen mit Aufschlagwasser.
nach 1790 Starker Rückgang der Zinnproduktion.
1809-1815 Mehrfache Truppendurchzüge, Einquartierung, kriegerische Auseinandersetzungen und eine Rekrutierung für die napoleonische Armee brachten Leid, Drangsale und Lasten für die Bewohner von Zinnwald. Eine anschließende Hungersnot konnte nur durch staatliche Beihilfen gelindert werden.
1810-1820 Erneutes Ansteigen und Stabilisierung der Zinnproduktion durch die Kontinentalsperre.
1813 Goethe besucht Zinnwald und Altenberg (9.-11.07.) und befährt auch den Tiefen-Bünau-Stollen (Goethes Datierungen in seinem Zinnwald-Aufsatz, die mittlerweile korrigiert worden sind, waren eindeutig falsch, sein Aufenthalt erfolgte hier nicht vom 10. bis zum 12. Juli!).
1821 Zwangsversteigerung der Bünauischen Herrschaft Lauenstein, die Grafen von Hohental werden neue Grundherren.
1825 Der aus dem Häuerwassertal herangetriebene „Tiefe-Hilfe-Gottes-Stollen“ erreicht den Troster Tagesschacht von „Gnade Gottes in der Langen Gasse“.
1832 Tiefstand der Zinnproduktion.
1839 Neubau eines Schulhauses für Sächsisch-Zinnwald.
1840 Beginn der Auffahrung des Graf-Carl-Anton-Stollens aus dem Häuerwassertal zur Gebirgsuntersuchung des Zinnwalder Rosengrundes (Einstellung 1865).
1840 Mit dem Tiefe-Hilfe-Gottes-Stollen soll den Zinnwalder Gruben in tieferem Niveau Wasserlösung verschafft werden, um dadurch den Tiefen-Bünau-Stollen zu enterben.
1843 Der Bergflecken Sächsisch-Zinnwald hat 80 Häuser.
1846 Erstmals wurden größere Mengen Wolframerz gewonnen.
1847 Kurzzeitige Auffahrung des Leopold-Stollens nördlich von Zinnwald an der Häuerwasserbrücke durch die Grundherrschaft. Projekt zur Schaffung des tiefen Zinnwalder Stollens, bereits 1854 wieder eingestellt
1851 Verabschiedung des Sächsischen Regalbergbaugesetzes, damit auch Auflösung des Vasallenbergamtes in Neugeising; Ende des grundherrschaftlichen Einflusses auf den Bergbau von Zinnwald (1852).
1852 Zusammenschluss aller verbliebenen 8 Sächsisch-Zinnwalder Gruben zur Gewerkschaft „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“.
1852/53 Umbau einer alten Dorfschmiede zum Huthaus der Gewerkschaft "Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald", seit 1983 Museum (Bild: heute, früher).
1853 Der Tiefe-Hilfe-Gottes-Stollen ist mit dem Albert-Schacht durchschlägig geworden.
um 1855 Zum Teil Verlagerung des Grubenbetriebes in den böhmischen Lagerstättenteil und Abbau von Quarz für die böhmische Flaschenglasproduktion.
1856 Versteigerung der Gewerkschaft Vereinigt Zwitterfeld und Erwerb durch den österreichischen Kaufmann und Bankier Josef Jakob.
1856 Beendigung des Tiefe-Hilfe-Gottes-Stollens mit dem Erreichen der Reichtroster Weitung.
1862/ 67 Konkurs und Versteigerung des Jakobschen Besitzes, neuer Erwerber wird die Gewerkschaft "Metallbergbauverein Vereinigt Zwitterfeld".
1869 Erstmals Gewinnung von Lithiumglimmer-Konzentraten.
ab 1872 Erneutes kurzzeitiges Einsetzen von verstärkter Wolframgewinnung, relativ kontinuierlicher Grubenbetrieb.
1876 Nochmaliger Besitzwechsel bei Vereinigt Zwitterfeld und eingeschränkter Grubenbetrieb durch sommerliche Haldenkutterei auf Wolframerze und winterlichen Abbau von Zinnerzen und Quarz.
ab 1880 Nach einem sprunghaften Anstieg der Wolframpreise völlige Umstellung des Grubenbetriebes auf Wolframerze: Klauben aus Halden und altem Versatz sowie Übergang zum Abbau wolframit-führender Flöze.
ab 1890 Förderung von Lithiumglimmer gewinnt an wirtschaftlicher Bedeutung. Zinnwald war bis 1945 die einzige deutsche Rohstoffquelle für das begehrte Leichtmetall Lithium.
1893 Neubau einer Schule für Zinnwald.
1901 Aufgewältigung des Neuschachtes. Einbau eines hydraulischen Widders und Errichtung eines Hochbehälters. Anfang einer zentralen örtlichen Wasserversorgung.
ab 1904 Sinken der Wolframpreise und Stagnation des Absatzes von Quarz, Verschlechterung der Betriebsergebnisse.
1904/ 09 Die Metallhändler Pels, Hamburg, muten das Grubenfeld „Gnade Gottes an der Landesgrenze“ und teufen den „Rosa-Pels-Schacht“ (später Grenzschacht) ab. Heranbringung des Josef-Stollens aus dem Rosengrund und Errichtung der modernen Pelswäsche. Kurzzeitig bedeutende Erzanbrüche.
1906 Übergang zur Magnetscheidung (Bild) der Zinn- und Wolframerze bei Vereinigt Zwitterfeld. Der Tiefe-Hilfe-Gottes-Stollen ist verbrochen und der Betrieb stockt.
1909 Einweihung der evangelischen Kirche in Zinnwald (20.09.), bis zu diesem Zeitpunkt war Sächsisch-Zinnwald in Geising eingepfarrt. (Bild)