Zeittafel zur Bergbau- und Ortsgeschichte von Zinnwald

(1910 - 1994)

1910 Einstellung von „Gnade-Gottes an der Landgrenze“. Wilhelm Seifer kauft die Gewerkschaft „Vereinigt Zwitterfeld“ und führt eine radikale Modernisierung sowohl der Aufbereitung als auch des Grubenbetriebes durch, die 1915/ 16 abgeschlossen war.
1913 Das Huthaus von „Vereinigt Zwitterfeld“ (seit 1983 Museum) wird unter Denkmalschutz gestellt.
1912/ 13 Aus Kapitalmangel gründet Seifer die Gewerkschaft „Zinnwalder Bergbau“ deren Rechte bei der englischen Finanzierungsgesellschaft „Saxon Tin and Wolfram Mining Co. Ltd. London“ lagen. Nach vergeblichem Versuch Graf Lobkowitz zur Mitfinanzierung der Wasserhaltungskosten zu bewegen, Verdämmung des Tiefen-Bünau-Stollens an der Landesgrenze. Überflutung des böhmischen Grubenfeldes führte zu ernsten wirtschaftlichen Problemen.
1915 Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges Übernahme der Gewerkschaft „Zinnwalder Bergbau“ durch die Stahlwerk Becker AG (09.07.) unter Enteignung der englischen Besitzanteile. Das Wirken des kapitalkräftigen Stahlwerkes ermöglicht die volle Durchführung der Seifer'schen Pläne.
1915 Beschlagnahme der Lobkowitzer Gruben in Böhmisch-Zinnwald durch die k.u.k. Militärbehörde. Produktionssteigerung durch Zentralisation und Modernisierung. Der Köppenschacht wird erweitert und als „Militärschacht“ ausgebaut (Nutzung bis 1991, zuletzt als Schacht Cínovec I), Mitbeschäftigung von Hunderten von Kriegsgefangenen.
1916 Pachtung der stillgelegten Pelswäsche (Bild) im Rosengrund durch die Kriegsmetall-AG Berlin und Ausbau zur modernen Aufbereitung. Zusammen mit der Stahlwerk Becker AG Gewinnung von Wolframkonzentraten, hauptsächlich aus der Haldenrückgewinnung.
um 1920/ 21 Beginn der Reduzierung des Gruben- und Aufbereitungsbetriebes durch sinkende Metallpreise und Angleichung des Metallmarktes auf Friedensproduktion, nachfolgend Beendigung des untertägigen Abbaus.
1924 Einstellung des Grubenbetriebes bei der Stahlwerk Becker AG, Betriebsabteilung Zinnwald (07.06.) und anschließendes Konkursverfahren.
1926 Übernahme des Betriebes und der Bergbaurechte von Sächsisch-Zinnwald durch Metallbank und metallurgische Gesellschaft AG in Frankfurt/ M. zur Sicherstellung des Rohstoffbedarfs für die Lithiummetall- und Lithiumsalzfabrikation ihrer Tochtergesellschaft Hans-Heinrich-Hütte Langelsheim am Harz (bis 1934)
1931/ 34 Die Grube „Vereinigt Zwitterfeld“ mit ihrem Tiefen Bünau-Stollen und der Reichtroster sowie der Schwarzwänder Weitung werden vorübergehend als Schaubergwerk genutzt.
1934 Übernahme der Bergbaurechte durch das Land Sachsen und Beginn untertägiger Erkundungs-, Aus- und Vorrichtungsarbeiten.
1936 Gründung der Gewerkschaft „Zinnwalder Bergbau“ für Sächsisch-Zinnwald (23.07.).
1936/ 37 Bau der Schwarzwasser-Aufbereitung gemeinsam mit der Zwitterstocks AG Altenberg. Ausbau des Schachtkomplexes Albert-Schacht mit Seilbahn zu dieser Zentralaufbereitung.
1937 Beginn des regulären Grubenbetriebes in Zinnwald.
1939 Nach der Annexion des Sudetenlandes beginnende Verlagerung der Produktion in den böhmischen Lagerstättenteil. 1940 käufliche Übernahme des Grubenbesitzes von Fürst Lobkowitz.
1940/ 41 Umfangreiche Erkundungsarbeiten im böhmischen Teil der Lagerstätte. Ausbau des Militärschachtes als Zentralschacht und Errichtung einer modernen nassmechanischen Aufbereitung (Neuanlage); Beginn des Einsatzes von Kriegsgefangenen.
1942/ 43 Auflage des Reichswirtschaftsministeriums, den deutschen Bedarf an Lithiumrohstoff für die Rüstungsindustrie zu decken. Ausbau der Glimmergewinnungsanlage der Metallgesellschaft Frankfurt/ M. und zusätzlich Abbau lithiumglimmerreicher Greisen in Zinnwald.
1943/ 44 Aufnahme des Grubenbetriebes im böhmischen Objekt „Militärschacht“.
1944 Anschluss der Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau an die Sachsenerz-Bergwerks-AG Freiberg (Staatskonzern).
1945 Einmarsch sowjetischer Truppen aus Richtung Niklasberg (Mikulov) am 8.Mai; Ende des 2. Weltkrieges.
1945 Verstaatlichung des Bergbaubetriebes im tschechischen Teil der Zinnwalder Lagerstätte und Wiederaufnahme der Produktion (25.10.).
1945/ 46 Demontage der unter- und übertägigen Betriebsanlagen auf sächsischer Seite im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht (Reparationsforderungen).
1945/ 48 Ausweisung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den ehemals sudetendeutschen Gebieten auf der Grundlage der Beneš-Dekrete in der Tschechoslowakei. Etwa 30 bereits ausgewiesene deutsche Ingenieure und spezialisierte Bergleute der früheren Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau unterstützten auf Wunsch der tschechischen Seite und mit Billigung der sowjetischen Militäradministration freiwillig die Einarbeitung der neuen tschechischen Grubenleitung in ‚Cinvald’ (1945/ 46).
1953 Zusammenschluss der Orte Zinnwald und Georgenfeld zur Gemeinde Zinnwald-Georgenfeld.
1954/ 56 Geologische Erkundung auf Lithiumerze im sächsischen Lagerstättenteil.
1958 Wiedereröffnung des örtlichen Grenzüberganges zur Tschechoslowakei.
1967 Beginn der bergmännischen Verwahrungsarbeiten im deutschen Teil der Zinnwalder Grube durch die Bergsicherung Dresden (Beendigung 1994).
1978 Produktionsbeginn im tschechischen neuen Lagerstättenteil Cínovec-Jíh (Süd).
1987/ 89 Geologische Erkundung auf Zinnerze im sächsischen Lagerstättenteil.
1990 Betriebseinstellung im tschechischen Grubenbetrieb Rudné doly Cínovec (21.11.).
1992 Eröffnung des Besucherbergwerkes „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“ (18.06.)
1994 Zinnwald-Georgenfeld wird durch die Gemeindereform ein Ortsteil der Bergstadt Altenberg.