Schwerer Anfang nach dem Krieg für Bergleute

Altenberg und Zinnwald im Sommer 1945 - Vorbereitungen für die Produktion liefen, dann kam die Demontage

(in: Sächsische Zeitung, Kreisausgabe Dippoldiswalde; 19./20.08.1995, S. 11; auszugsweise Abschrift) Der Bergbau in Altenberg und Zinnwald erhielt während des Krieges immer größere Bedeutung, aus militärischen und Autarkie-Überlegungen. Zinn und Wolfram waren die wichtigen Konzentrate, die für eine Verhüttung bereitgestellt werden mußten. Zur Jahreswende 1944/45 waren in Zinnwald etwa 520 und in Altenberg 620 Arbeitskräfte tätig. Bei der angespannten Kriegslage zeigt das allein schon die Bedeutung des Abbaus. Ein Geheimprojekt in Zinnwald Dagegen lief im 4. Quartal 1944 in Zinnwald noch ein Geheimprojekt unter dem Namen "Kohlhau" an. Auf sächsischer und böhmischer Seite sollte eine bombensichere Aufbereitungsanlage mit ihrem umfangreichen Stollensystem angelegt werden. Die bergmännischen Arbeiten liefen unter großem Arbeitskräfteeinsatz bis in den Mai 1945 hinein. Da die Vorräte auf sächsischer Seite nur noch minimal waren, erfolgte die Ausrichtung vorwiegend auf der böhmische Seite. Sogar die ersten Ausrüstungsteile standen schon bereit. Ein Tagesdurchsatz von 250 Tonnen war vorgesehen, und ein Kostenvoranschlag vom November 1944 sah einen Investaufwand von 6,5 Millionen Reichsmark vor. Noch im März 1945 wurde "streng vertraulich" eine eigene Wolframlaugerei für Zinnwald geplant. Die Tage um den 8. Mai waren nicht nur für die Stadt Altenberg von furchtbaren Ereignissen gekennzeichnet, auch für die Grubenbetriebe in Altenberg und Zinnwald blieben sie nicht ohne Auswirkungen. Insgesamt waren aber die Schäden in Zinnwald gering, außer das einige Tage nach dem 8. Mai ein von der Sachsenerz AG gepachtetes Wohnheim in Flammen aufging. Für Zinnwald stand eine Wiederaufnahme der Produktion angesichts der nunmehr geschlossenen Grenze nicht mehr zur Diskussion. Im Gegenteil, die tschechische Seite erhob sogar Anspruch auf sächsische Grubenteile und fuhr unter Militäraufsicht auch Konzentrat ab. Jedoch bald waren diese Rangeleien beendet. Für kurze Zeit gingen die Anlagen Altenberg und Zinnwald in der Nachkriegszeit sogar einmal in die Regie der Kommunen über. Heinz Bernhardt